20 Nov 2017

Home > Geld > Mobile Bezahlsysteme in Deutschland – wann kommt der Durchbruch?

Bargeldloses Bezahlen im Alltag hat sich in Deutschland bisher nicht wirklich durchsetzen können. Mit der Kreditkarte werden in der Regel nur größere Beträge bezahlt, und auch im Internethandel zahlen die Deutschen am liebsten auf Rechnung oder mit der Karte. Was den Umgang mit Kleingeld angeht, nutzen in die meisten deutschen Verbraucher nach wie vor ihre Geldbörse und zählen – sei es nun aus Gewohnheit oder auch Innovationsverdrossenheit – täglich ihre Münzen für Fahrkarten, Automaten oder Münztelefone. Die Nutzung von Kreditkarten für den Umgang kleinen Beträgen gilt Vielen als unsicher, das ständige Eintippen der PIN Nummer zu umständlich. Auch der deutsche Einzelhandel zählt anscheinend gern Kleingeld – denn häufig genug bietet er erst ab Beträgen im zweisttelligen Eurobereich Kartenzahlung an. Eigentlich wäre die Zeit reif für Innovationen, die den Umgang mit Kleingeld im Alltag bequemer und zeitsparender gestalten.

Doch bargeldlose Zahlsysteme tun sich in Deutschland immer noch schwer. Nach wie vor läuft, so stellte kürzlich eine EBS-Studie fest, knapp 60% des Einzelhandelsumsatzes über Bargeld. An bargeldlosen Alternativen mangelt es nicht – beispielsweise bietet die Deutsche Post AG an, per SMS Briefporto zu zahlen. Auf Anfrage wird ein Zahlencode auf das Handy geschickt, der auf Postkarte oder Brief die Marke ersetzt – der Betrag erscheint dann auf der Handyrechnung. Ähnliche Systeme gibt es für diverse städtische Busunternehmen, Parkhäuser und öffentliche Parkplätze und die Bahn. Aldi und Aral bieten eigene Zahlsysteme über entsprechende Apps. Aber eine universelle und standartisierte Lösung – eine Art Paypal für den Offline-Alltag, die Transfers von Minibeträgen zwischen Freunden im Alltag ermöglicht, mit der man (so gut wie) überall bezahlen kann und die durch kinderleichte Handhabung auch Technik-Muffel überzeugt – die steht bisher noch aus.

An technischen Lösungen mangelt es ebenfalls nicht. Nahfunk-Chips auf NFC-RFID Basis ermöglichen die Übertragung von Kundendaten zwischen Kreditkartenterminals und Smartphones, der Zahlvorgang läuft über Paypal-ähnlichen Apps nach dem Prepaid-Prinzip. Nur müssten hierzu Einzelhandel und Gastronomie ihre Kassensysteme entsprechend aufrüsten – und dazu fehlt es offensichtlich bisher an Bereitschaft. “Deutschland avanciert international in Punkto mobilen Bezahlsystemen zum Schlusslicht” prognostiziert Bettina Horster von der Kompetenzgruppe Mobile im eco-Verband. “Selbst in Polen sind bereits 40% aller Geschäfte NFC-fähig”, ergänzt Sven Donhyser von Cashcloud, einem der vielen deutschen Startups im m-payment Markt. Eine der aktuell diskutierten Lösungen könnte darin bestehen, dass Banken und Dienstleister dem Handel bei der Aufrüstung unter die Arme greifen. Doch hier sperren sich zur Zeit noch die Banken, die sich mit der Idee eines einheitlichen technischen Standarts schwer tun, diagnostiziert e-Commerce Experte Carsten Werner.

Letzendlich wird mobiles Bezahlen auch in Deutschland voll durchsetzen – viele der neueren Lösungen sind einfach zu praktisch und bequem, als dass sie sich über längere Zeit ignorieren liessen. Wenn die Banken diese Trend nicht rechtzeitig erkennen, werden Startups die Nische über kurz oder lang mit für sich vereinnahmen. Es gibt sicher kaum einen Paypal Nutzer, der sich nicht wünscht, vom gleichen Konto aus auch Offline mit einer Prepaidkarte oder einem App Kleinbeträge schnell und bequem zu zahlen.

Kategorie: Geld

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